Advent und Weihnacht - Edith Stein

Wenn die Tage kürzer und kürzer werden, wenn (in einem normalen Winter) die ersten Schneeflocken fallen, dann tauchen scheu und leise die ersten Weihnachtsgedanken auf. Und von dem bloßen Wort geht ein Zauber aus, dem sich kaum irgendein Herz entziehen kann. Selbst die Andersgläubigen und Ungläubigen, denen die alte Geschichte vom Kinde zu Bethlehem nichts bedeutet, rüsten für das Fest und überlegen, wie sie da und dort einen Strahl der Freude entzünden können. Es geht wie ein warmer Strom der Liebe über die ganze Erde schon um Wochen und Monate voraus. Ein Fest der Liebe und Freude – das ist der Stern, auf den alle in den ersten Wintermonaten zugehen. Für den Christen und besonders für den katholischen Christen ist es noch etwas anderes. Ihn führt der Stern zur Krippe mit dem Kindlein, das den Frieden auf Erden bringt. In zahllosen lieblichen Bildern stellt es uns die christliche Kunst vor die Augen; alte Weisen, aus denen der ganze Zauber der Kindheit klingt, singen uns davon.

Wer mit der Kirche lebt, dem rufen die Rorateglocken und die Adventslieder eine heilige Sehnsucht im Herzen wach; und wem der unerschöpfliche Born der heiligen Liturgie erschlossen ist, bei dem pocht Tag um Tag der große Prophet der Menschwerdung mit seinen Mahnworten und Verheißungen an: Rorate, coeli, desuper et nubes pluant justum! Prope est jam Dominus (Unten, Himmel, Wolken, nur! Der Herr ist nahe)– Venite adoremus. (Kommt, lasst uns anbeten.)
Ja, wenn am Abend die Lichterbäume brennen und die Gaben getauscht werden, da drängt die unerfüllte Sehnsucht immer noch hinaus nach einem andern Lichtglanz, bis die Glocken zur Christmette läuten und das Wunder der Heiligen Nacht sich auf unsern licht- und blumengeschmückten Altären erneuert. Nun ist der Augenblick der seligen Erfüllung da.

Sternentanne

Adventgedichte


SternWAS ICH DIR ZUM ADVENT SCHENKEN MÖCHTE  -Christine Busta-

Einen Orgelton wider den finsteren Morgen,
meinen Atem gegen den Eiswind des Tags,
Schneeflocken als Sternverheißung am Abend
und ein Weglicht für den verlorengeglaubten
Engel, der uns inmitten der Nacht
die Wiedergeburt der Liebe verkündet.

Stern WINTERPSALM -Lothar Zenetti-

Es ist jetzt nicht die Zeit,
um zu ernten.
Es ist auch nicht die Zeit,
um zu säen.

An uns ist es,
in winterlicher Zeit uns
eng um das Feuer zu scharen
und den gefrorenen Acker
in Treue geduldig zu hüten.

Andere haben vor uns gesät.
Andere werden nach uns ernten.

An uns ist es,
in Kälte und Dunkelheit
beieinander zu bleiben und,
während es schneit, unentwegt
wach zu halten die Hoffnung.

SternDEZEMBERPSALM  -Hanns Dieter Hüsch-

Mit fester Freude
Lauf ich durch die Gegend
Mal durch die Stadt
Mal meinen Fluss entlang
Jesus kommt
Der Freund der Kinder und der Tiere
Ich gehe völlig anders
Ich grüße freundlich
Möchte alle Welt berühren
Mach dich fein
Jesus kommt
Schmück dein Gesicht
Schmücke dein Haus und dein Garten
Mein Herz schlägt ungemein
Macht Sprünge
Mein Auge lacht und färbt sich voll
Mit Glück
Jesus kommt
Alles wird gut
Lichter überall
Adventliche Beleuchtung überall:
Uns nicht blenden lassen,
sondern darin die tiefe Sehnsucht
nach Licht entdecken.

Adventliche Lichter überall.
Uns nicht beirren lassen,
den Blick für das Wesentliche schärfen:
das göttliche Licht in jedem Menschen.

SternIN DEN DUNKELN TAGEN  -Pierre Stutz-

Haltet in den dunklen Tagen
euer Herz bereit!
Tannen werden Lichter tragen
und die leuchten weit.
Leuchten in der Nächte Schweigen
und im kalten Wind.
Sterne werden sich bezeigen,
die noch ferne sind.
Schon erglüht ein heimlich Gleißen
in der Mitternacht.
Denn ein Kind ist uns verheißen,
das uns fröhlich macht.
Und die Himmel werden ragen
über alle Zeit.
Haltet in den dunklen Tagen
euer Herz bereit!

SternLASS LOS -Rudolf Otto Wiemer-

Lass los
was dich ängstigt und sorgt
lass sein
was dich gefangen hält
komm heraus
aus dem dunkel
setz dich
unter den himmel
und erwarte
die ankunft
seines lichtes

Du, Mensch gewordener
Gott
des Lichtes,
des Friedens,
der Liebe,
der Hoffnung.
In unserer Welt,
die oft dunkel und finster ist,
friedlos und kalt,
lieblos und resigniert,
folge ich der Sehnsuchtsspur meines Herzen,
und mache mich auf den Weg zu dir.
Ich bitte dich,
mein Herz mit deinem Licht zu erfüllen,
dass es licht werde in mir
und ich dich bezeuge,
als den Mensch gewordenen
Gott
Licht der Welt,
Gott des Friedens,
Zeichen der Liebe
und der Hoffnung.