Gedanken zur Freizeit

 

Meer  -Erich Fried-

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren
und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer

Nur Meer



Segen für alle Welt  -Hanns Dieter Hüsch-

Im Übrigen meine ich,
Dass Gott, unser Herr
Uns einen großen Sommer schenke.

Den Familien einen Korb voll Ruhe
Und viele hoffnungsvolle Blicke auf Grün und Blau
Wiesen und Wasser und weiße Strände –

Leise Monate
Dass er das Geschrei aus der Welt nimmt
Und Stille verordnet

Dazu gehört, dass er den Kriegern das Handwerk
Aus den Händen nimmt
Und denen, die ohne Arbeit sind die Hoffnungslosigkeit

Und die Mächtigen nicht zu Mafiosi werden lässt
Alle können wir daran mittun und daran arbeiten
Dass das Leben langsamer verläuft

Dass die Welt alle Aufregung verliert
Und die Menschen sich länger ansehen können
Um sich zu sagen: Wir lieben euch!

Gott unser Herr möge diese Stille segnen
Möge diese Stille denen überall in die Ohren blasen
Die unsere Zeit noch schneller machen möchten
Und damit noch kürzer und atemloser

Gott unser Herr wir bitten dich: Mach es!
Auf das unser Herz wieder Luft schnappen kann
Unser Auge aufhört zu zappeln
Und unser Ohr wieder richtig hört
Und nicht alles vergisst

Denen die uns das alles austreiben möchten
Möge Gott der Herr einen Blitz ins Gesäß jagen
Damit sie ihr unmenschliches Tun einsehen
Und die Menschen seines Wohlgefallens in Ruhe lassen
Im wahrhaftigsten Sinn dieses Wortes in Ruhe lassen

Und wir wollen unseren Herrgott abermals bitten
Dieses Ansinnen von uns überall zu segnen
Und weil es sein muss sofort und immerdar

Danke und Amen.



Die Zeit der Ferien  -Paul Weismantel-

Die Zeit der Ferien möge dir viel Zeit für all das schenken,
wozu sie dir während des Jahres so oft fehlt.

Die Zeit des Urlaubs möge dir helfen,
in der Ruhe gelassener zu werden,
damit du dich selbst neu finden kannst.

Die Zeit des Verreisens möge dich einladen,
die Schönheit der Welt mit neuen Augen zu sehen
und dir Muße zu gönnen.

Die Zeit des Ausruhens möge dir zeigen,
wie wichtig es ist, ein aufmerksames Herz für
die Freude und die Freunde zu haben.

Die Zeit der Sommerpause möge dich erinnern,
dass das Leben mehr ist als Arbeit und Ärger,
als Last und Pflicht, als Mühsal und Bedrängnis.

Die freie Zeit des Jahres möge dir sagen,
dass Gott ein Freund der Freiheit und deines Lebens ist,
damit du ihm vertraust.

Die Zeit deines Lebens möge dir immer neu
als ein großes persönliches Geschenk deines Gottes
aufgehen und erhalten bleiben.