Mutmachendes

Eine neue Kirche  -Veränderte Fassung des Textes “Die Vision” von Hermann Josef Coenen-

Ich träume von einer Kirche, in der die Liebe gelebt wird.
Der Papst als Sprecher aller, die keine Stimme haben,
der Bischof als Anwalt des kleinen Mannes von der Straße.

Die Kirche der Zukunft: ein Haus der offenen Tür
– für alle, die Jesus folgen wollen, gleich welcher Rasse,
welcher Partei, welcher Konfession.

Wir wurden nicht geboren
Befehlsempfänger zu sein, noch Herrscher,
sondern Schwestern und Brüder.

Gott allein ist der Vater.
Christus allein ist der Herr.

Kommt, Gefährten, lasst uns nicht warten und klagen,
fangen wir doch selber an.

Wir brauchen ganz neue Tugenden:
Zivilcourage, Fantasie und Optimismus.
Kirche als Salz für die Welt,
als Leuchtturm mitten in dunkler Nacht.

Christen, die ihr Fähnchen nicht nach dem Wind drehen.
Klein ist ihre Zahl, aber groß ist ihr Mut.
Jesu Weg ist ihr Weg; Jesu Geist begeistert sie.

Lasst uns unsere Hände gebrauchen,
so wie Jesus sie am Gründonnerstag gebraucht hat:
Es waren betende Hände und segnende Hände,
es waren aber auch schmutzige Hände und teilende Hände.

Keiner denkt nur an sich, auf Kosten der anderen.
Jeder bringt das ein, was er hat und was er kann.

Die Quelle unserer Kraft ist das Brot und der Wein
vom Tisch des Herrn.

Ich sehe eine neue Kirche.
Aber sie kommt nicht von selbst.
Die Raupe muss sich verändern, muss sich entwickeln,
ehe sie zum Schmetterling wird.


Was wir glauben  -Flugblatt: Kirchentag Berlin 1977-

Ich werde nicht glauben
ans Haben und Behalten,
an Unfrieden und Krieg,
an geballte Fäuste.

Ich will glauben
ans Schenken und Empfangen,
ans offene Reden und
Verzeihen,
ich glaube an geöffnete
Hände.

Ich werde nicht glauben,
dass Menschen besser sind,
weil sie mehr verdienen,
schöner wohnen,
geschickt und klug sind.

Ich will glauben,
dass Menschen besser sind,
weil sie sich kümmern
um ihre Mitmenschen.

Ich werde nicht glauben
an Mauern, Grenzen, Rassen.

Ich will glauben
an freie Länder, offene Häuser
gastfreie Menschen in allen
Farben des Regenbogens.

Ich werde nicht glauben
an ein unglückliches Ende –
alles verschmutzt und verbraucht.

Ich will glauben
an einen neuen Anfang
wo alles geheilt
und gleich verteilt ist.

Ich werde nicht glauben
an die Angst zu sterben.

Ich will glauben
an die Freude zu leben
zusammen mit so vielen.

Ich werde nicht glauben
an einen Geist
der uns voneinander trennt.

Ich will glauben
an den Geist Gottes,
den Geist von Jesus,
der Menschen zusammenführt,
bis alles vollendet ist.



Die Kraft wächst mit dem Weg  -Andrea Schwarz-

wenn du
Gott vertraust

seiner Zusage
glaubst

den nächsten Schritt
wagst
ohne zu ahnen
wohin der Weg führt

ohne zu wissen
wie das Ziel heißt

nur von Hoffnung
und Sehnsucht getrieben

dann wirst du
achtsam bleiben

wach mit allen Sinnen
suchen und sein

und dankbar für Zeichen und Worte
und staunen darüber
wie sich
Schritt für Schritt
ein Weg ergibt

sich das Ahnen verdichtet
der Boden trägt

und zum Quellgrund wird



Die neue Hoffnung  -Lothar Zenetti-

Es ist nicht zu leugnen:
Was viele Jahrhunderte galt, schwindet dahin.

Der Glaube, höre ich sagen, verdunstet.

Gewiss, die wohlverschlossene Flasche
könnte das Wasser bewahren.

Anders die offene Schale:
Sie bietet es an.

Zugegeben, nach einiger Zeit
findest du trocken die Schale,
das Wasser schwand.

Aber merke:
Die Luft ist jetzt feucht.

Wenn der Glaube verdunstet,
sprechen alle bekümmert von einem Verlust.
Und wer von uns wollte dem widersprechen!

Und doch:
Einige wagen trotz allem zu hoffen.

Sie sagen:
Spürt ihr’s noch nicht?
Glaube liegt in der Luft!



Text gläubiger Zuversicht  -Lothar Zenetti (in Lothar Zenetti: Auf seiner Spur)-

Das Kreuz des Jesus Christus
durchkreuzt was ist
und macht alles neu

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
was keiner sagt, das sagt heraus
was keiner denkt, das wagt zu denken
was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner Ja sagt, sollt ihr´s sagen
wenn keiner Nein sagt, sagt doch Nein
wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
wenn alle mittun, steht allein

Wo alle loben, habt Bedenken
wo alle spotten, spottet nicht
wo alle geizen, wagt zu schenken
wo alles dunkel ist, macht Licht

Das Kreuz des Jesus Christus
durchkreuzt was ist
und macht alles neu