Mexikokreis

Was soll eigentlich die Partnerschaft zwischen den Pfarreien S. Francisco de Asís in Durango/Mexiko und St. Josef in Marl/Deutschland?

Wer sich darauf einlässt, erlebt mehr, als nur den Verkauf der Waren aus der einen Welt, um Gelder zu sammeln, mit denen bisher schon viel bewerkstelligt wurde. 1988 gründete ein ehemaliger Kaplan von St. Josef in Durango im Bistum Tula, 250 km nordöstlich von Mexiko Stadt die Pfarrei S. Francisco de Asís, unsere Partnergemeinde seit 1990. Mit unserer Unterstützung wurde die Pfarrkirche gebaut. Es gibt heute eine Schule und eine Krankenstation. Durch gegenseitige Besuche wurde die persönliche Kenntnis voneinander vertieft. Zuletzt waren zwei Frauen aus der Gemeinde, anlässlich des Weltjungendtages 2005, hier. Die finanzielle Unterstützung zu diesen Besuchen kam aus den Erlösen der monatlichen Verkäufe der Waren aus der einen Welt zu den Sonntagsmessen in St. Josef. Zu der Pfarrei gehören 29 Dörfer, in deren Kapellen monatlich einmal eine Messe gefeiert wird. Die Selbstorganisation in Basisgemeinden ist nötig, um die religiöse Isolation zu vermeiden. Wie Pfr. Andreas versichert (er war bis zum Winter 2007 dort Pfarrer) ist St. Josef dort unvergessen. Unsere übersetzten Pfarrbriefe werden in den Sitzungen des Pfarrgemeinderates gelesen und als Zeichen der Verbindung verstanden.

Es geht aber um mehr: Alle Pfarreien, die Partnergemeinden im Bistum Tula haben, arbeiten in einem Arbeitskreis zusammen. Er trifft sich bei den Canisianern in Münster drei Mal im Jahr. Dort werden Informationen ausgetauscht über die Zusammenarbeit. Z.B. haben die Pfarreien in Emsdetten und Kamp-Lintford in ihren Kindertagesstätten einjährige Praktika für angehende mexikanische Erzieherinnen aus den dortigen Kindertagesstätten ermöglicht. Über die Erfahrungen der betroffenen Deutschen und Mexikaner wird berichtet. Es stellt sich die Frage, ob das auch etwas für unsere Pfarrei wäre.

Jährlich absolvieren Jugendliche aus dem Bistum Münster ihr soziales Jahr („Zivis“ und „Zivas“ oder „Missionare auf Zeit“ und „Missionarinnen auf Zeit“) in einer der Partnergemeinden. Auch darüber wird in dem Arbeitskreis berichtet. Im Oktober jeden Jahres gibt es einen „Mexiko-Sonntag“ bei den Canisianern. Dazu kommen aus dem sozialen Jahr zurückgekehrte Zivis und Zivas sowie Missionar/Innen auf Zeit. Sie berichte aus erster Hand über die Zustände in den Partnergemeinden, in denen sie waren. Außerdem werden Referenten von „Adveniat“ eingeladen, die über die allgemeine politische und kirchliche Situation in Mexiko und Lateinamerika berichten. In Zusammenarbeit mit dem „Franz-Hitze-Haus“ findet im Januar jeden Jahres eine Tagung über die historische, politische, wirtschaftliche und kirchliche Situation in Mexiko statt.

Es geht also um einen geistig-fachlichen Austausch.

Der Pfarrgemeinderat hat über ein Gemeindemitglied Kontakt zu diesen Treffen und verfolgt die Entwicklung. Es wäre aber gut einen Ausschuss zu organisieren, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen:

1. Verkauf der Waren aus der einen Welt

2. Kontaktpflege und Mitarbeit im Arbeitskreis bei den Canisianern

3. Entwicklung von Ideen zu einer engeren Zusammenarbeit mit unserer Partnerpfarrei S. Francisco de Asís in Durango

Wer Interesse hat melde sich bitte in einem der Pfarrbüros.

Damit stehen wir im Zusammenhang mit der Bistumspartnerschaft zwischen Münster und Tula.

Sie gewann im Jahre 1968 Gestalt. Die Bischöfe von Tula, Jesús Sahagún und Münster, Josef Höffner hatten auf dem zweiten Vatikanischen Konzil verabredet:

Gemeinsam für religiöse und menschliche Bildung zu sorgen verbunden mit wirtschaftlicher und technischer Hilfe.

Es wurde eine Begegnung im materiell ärmsten Gebiet der Diözese Tula zwischen den seit jeher ansässigen Menschen, den Otomís (die sich selbst Ñañus nennen), Mexikanern und Deutschen.

In der ersten Periode von 1968-1979 wurde Ausgangspunkt und Zentrum der Aktivitäten Cardonal. Es galt das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ Die auf deutscher Seite beauftragten Canisianerbrüder leiteten zum Bau befestigter Straßen und Wege an, regten Konsum- und Häuserbaugenossenschaften an und schufen genossenschaftliche Werkstätten. 1969 wurde eine Mechanikerwerkstatt eingerichtet, 1971 wurden Webstühle aufgestellt und 1973 nahm in Cardonal eine Näherei ihre Arbeit auf. In den siebziger Jahren kamen Priester und Pastoralreferenten aus Deutschland. Seelsorgeteams aus Mexikanern und Deutschen wurden gebildet, die neue Pfarreien gründeten. Wegen der zerstreuten Lage der zugehörigen Dörfer ermutigten sie die Organisation von Basisgemeinden zum Bibelstudium, zur Alphabetisierung und zur Bewusstseinsbildung.

Aufbauend auf dieser Basis ging es in der zweiten Periode (1979-1987) um die Vertiefung. In Cardonal fanden die ersten Wahlen zu einem Pfarrgemeinderat statt. Es waren so viele Pfarrgemeinden entstanden, dass sie in Dekanaten zusammengefasst werden mussten.

Inzwischen sind die Werkstätten an einen vom Bistum Tula unterstützten Trägerverein gegangen. Die Canisianer in Münster halten aber immer noch den Kontakt nach Mexiko.