Die Glocken von St. Josef

Welche Glocken die Filialkirche „St Josef“ hatte, die an der Stelle des heutigen „Bruder-Jordan-Hauses“ stand, steht nicht in der Chronik der alten Pfarrei St. Josef (1922-2008)

Dort werden Glocken erstmalig für das Jahr 1967 erwähnt. Die „seit Jahren“ (wohl seit dem Bau zu Beginn der 1950er Jahre.) von der „Glockengießerei Friedrich Krupp AG, Bochum geliehene“ Glocke wurde für 4.800:-- DM gekauft. Damit ist der Bochumer Verein (diese Firma stand auf dem Gelände der heutigen „Jahrhunderthalle“ im Bochumer Westen) gemeint, der damals schon zu Krupp gehörte, aber eine Tradition im Gießen von Stahlglocken seit dem 19. Jahrhundert hatte. Auf einer Pariser Weltausstellung wurden Bochumer Glocken ausgestellt. Alfred Krupp wollte es nicht glauben, dass sie aus Stahl seien. Seiner Meinung nach konnte es keine Stahlglocken geben. Er verklagte die Firma auf Betrug. Er verlor den Prozess noch während der Weltausstellung. Seitdem steht vor dem Bochumer Rathaus eine Stahlglocke von dieser Weltausstellung.

Zwar gelten Stahlglocken als minderwertig gegenüber Bronzeglocken und auch in St. Josef schämte man sich ihrer zunächst, deshalb begann man im Juni des Jahres 1979 Verhandlungen mit der Glockengießerei Petit und Edelbrock in Gescher, dem Traditionsort der Gießerei von Bronzeglocken. Für 50.000:-- DM sollten 2 Glocken gegossen werden. Im Dezember des gleichen Jahres wurden sie für 49.000:-- DM geliefert. So stolz war man auf diese Glocken, dass ihr Guss um den 27.11 1979 mit Fotos in der Chronik festgehalten wurde. Sie wurden am 8.12.1979 geweiht. 1991 wurden alle drei Glocken konservatorisch überarbeitet.

Die Glocke, die auf den Ton „e“ gestimmt ist, trägt folgende Umschrift:    2018 02 03 122909 Glocken von St. Josef a

„Wie schön ist es Herr, Deine Huld zu verkünden

am Morgen und Deine Treue zur Nacht, Psalm 92.3, St. Josef“

Die Glocke, die auf den Ton „fis“ gestimmt ist, trägt folgende Umschrift:

„Der Engel des Herrn brachte Maria die

Frohe Botschaft, und sie empfing vom heiligen Geist.“     2018 02 03 123015 Die Glocken von St. Josef b

Auf beiden Glocken steht der Name des Patrons der Kirche, St. Josef, der Ortsname Marl-Drewer, die Jahreszahl 1979 und das Wappen der Gießerei.

Wie gut die drei Glocken zusammenklingen, davon kann man sich jeden Sonntag überzeugen.

Heute ist die Stahlglocke vom Bochumer Verein ein historisches Juwel, denn sie ist ein aktives Zeichen der Industriekultur.