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Am Sonntag, den 03.10.2010 wurden die Glocken,
die einige Wochen in der Kirche auf ihrem sog. "Weihebock" präsentiert wurden, getauft und gesegnet und so auf ihren Weg in den Kirchenturm verabschiedet.

Die Namen der Glocken sind: PAX DOMINI, GLORIA DEI und MEMORIA.
Unsere Alte Glocke trägt den Namen ANGELUS.
Der neue Glockenstuhl wurde eingerichtet und so nun unser Geläut auf 4 Glocken vervollständigt.
Zum feierlichen Einläuten -EIN KLANG- hatten wir an Samstag, den 27.11. ein schönes, ereignisreiches Fest.



Mehr Informationen zur Ältesten unserer NEUEN GLOCKEN hier!



Auszüge aus: „Neuer Glogauer Anzeiger, Nummer 11, November 2003“


Gramschützer Glocken

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand!
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben;
Doch der Segen kommt von oben.

Wer von uns hat nicht diese Zeilen vom "Lied von der Glocke" (1799) von Friedrich von Schiller in der Schule gelesen oder gar auswendig lernen müssen! Und welches Gedicht würde nicht besser zum Anfang einer Betrachtung über die Gramschützer Glocken passen, als gerade dieses?

Schon lange befasste ich mich mit dem Gedanken, einmal über den Verbleib unserer heimischen Glocken nachzuforschen, von denen es sechs an der Zahl gab. Drei hingen im Turm der katholischen Kirche, die bereits im 14. Jahrhundert entstanden ist und dem Heiligen Martin (11. November) geweiht war. Die anderen drei erklangen vom Turm der evangelischen Kirche, die erst im Jahre 1754 erbaut worden ist. Ermuntert hierzu wurde ich noch durch einen Artikel einer älteren Ausgabe unserer Glogauer Heimatzeitung vom Juli 1971. Darin wird berichtet, dass u.a. auch noch zwei Glocken aus Gramschütz existieren sollen.
Die eine befinde sich angeblich irgendwo im Ordinariat Münster in Westfalen und die zweite im Ordinariat Freiburg im Breisgau. Genauere Angaben könnte das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg machen. Was lag also näher, als dort hinzuschreiben.

Hier die Antwort:
Zu ihrer Anfrage geht aus unseren Unterlagen folgendes hervor:
Glocke1

1.) Die Glocke 9/34/91 C befindet sich in St. Peter, Lochheimstr. 39, Heidelberg-Kirchheim.

Anlässlich der Weihe von fünf Glocken für die Kirche St. Peter hatte man eine Festschrift herausgegeben. Darin heißt es u.a.:

Eine Glocke des neuen Geläutes hat eine interessante Geschichte. Sie entging der Einschmelzung, wurde nach dem Krieg unversehrt in Hamburg gefunden und kam zur Ergänzung unserer Glocken hierher.
Sie stammt aus der katholischen Gemeinde Gramschütz in Niederschlesien und wurde 1686 in Breslau gegossen. Sie ist die kunstvollste unserer Glocken und weilt als "Leihgabe" oder "Patenglocke" über uns.






2. Die Glocke 9/34/92 C hängt in HL Blut, Matthias-Claudius-Str. 8, Dinslaken.Glocke2

Nun zur Geschichte der zweiten Glocke.
Auch sie landete auf dem sogenannten
Glockenfriedhof in Hamburg, gelangte aber auf Umwegen zu ihrer heutigen Stelle in Dinslaken am Niederrhein. Aus einem dortigen Zeitungsartikel entnehmen wir einige Zeilen:

Unsere Zeitung ging dem Schicksal der Glocke einmal nach. Die Glocke rief vor etwa 500 Jahren im schlesischen Gramschütz die Gläubigen zum ersten Mal zum Gottesdienst.
Die Glocke ruft heute die Gemeinde der Heilig-Blut-Kirche zum Gottesdienst.

Wie ist diese Glocken nach Dinslaken gekommen?

Gegen Ende des Krieges, als die NSMachthaber den "totalen Krieg" verkündet hatten, erging die Verordnung, die Kirchenglocken für die Rüstungsindustrie abzugeben. Ob es sich hierbei wirklich um eine kriegsbedingte Notwendigkeit handelte oder ob es ein erster Schritt auf dem Wege der vollständigen Beseitigung der Kirche war - das hat die zeitgeschichtliche Forschung bis heute noch nicht geklärt. Manche Pfarrer sträubten sich gegen die Abgabe und wurden als "Staatsfeinde" diffamiert. Zum Glück fanden sich nach dem Kriege noch zahlreiche Glocken wieder und konnten ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden.

Aber andere Gemeinden waren inzwischen von Polen und Russen besetzt worden, die deutschen Bewohner vertrieben. Nachher konnten keine Glocken mehr überführt werden. Bald nach dem Kriege konstituierte sich in Hamburg und Hannover ein "Ausschuss zur Rückführung der Glocken".

An dieses Gremium wandte sich der Orsoyer Pfarrer Möller. Das Geläute seiner St.-Nikolaus-Kirche war beim Kampf um den Rheinübergang völlig zerstört worden. Auf einem heute schon vergilbten "Merkblatt für die Ausgabe von Leihglocken" bestätigte Pfarrer Möller den Empfang der Glocken am 10. November 1952. So erscholl ihr Klang über dem kleinen Ausflugsziel am Rhein. Als sich die sparsame Gemeinde ein eigenes Geläute zulegte, lag die Glocke als mahnender Überrest des Krieges am Eingang der Kirche. Als die Dinslakener Heilig-Blut-Kirche erbaut worden war, wies der inzwischen pensionierte Orsoyer Pfarrer seinen Amtsbruder Pastor Küsters auf die Glocke hin. So trat sie wieder eine Reise an. Dieses mal über den Rhein. Seit einiger Zeit ruft die Gramschützer Glocke die Gläubigen zum Gottesdienst. Hoffen wir, dass die Glocke nun in Dinslaken die letzte Station ihrer Irrfahrt erreicht hat.

Soweit der Bericht aus Dinslaken.


Glocke3- Ausschnitt von der Glocke in Hlg. Blut in
Dinslaken -



Doch nun zum Steckbrief der Glocke, wieder laut Bericht des Germanischen Nationalmuseums.

Sie hat einen Durchmesser von 93 cm, ist 91 cm hoch und wiegt 10 Zentner.

Ein genaues Jahr ihrer Entstehung ist nicht bekannt, es ist nur die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts angegeben.

Verzierung und Inschrift: Kronenplatte mit Pfeilen, unregelmäßiger Rand auf Wulst, steil und gewölbt abfallende Haube. Schulter: zwischen je 2 Stegen,
Meniskulinschrift:
* o* rex* glorie* vene* cum* pace *
(O, König der Herrlichkeit, komm mit Frieden)
* hilf* got* maria* berot* uns* allen* ave* maria* mb*nx* ycvhgakxno *

Die einzelnen Buchstaben nach der Schablone geschnitten, Buchstabenhöhe 3,5 cm, Bandhöhe 4,2 cm, Flanke glatt, Schlagring Wulst, Holm gebogen mit Randverstärkung, 6-bügelige Krone, Bügelvorderseite bandartig geflochtener Zopf zwischen Stegen.



Das war 2003 der Stand der Dinge.  Der lange Weg ist noch nicht zu Ende.
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Dinslaken
Profanierung der Heilig-Blut-Kirche 2009
Dinslaken (RP)

Am Sonntag, 21. Juni, wird die katholische Heilig-Blut-Kirche
im Rahmen eines Gottesdienstes profaniert, das heißt außer Dienst gestellt.
Die Kirche wird im Laufe des Jahres abgerissen.

Sonntag. 21. Juni:  10.45 Uhr Profanierungs-Gottesdienst in Heilig Blut.

"Das ist ein ausgesprochen schmerzlicher und dramatischer Einschnitt für
viele Menschen", sagte Pastoralreferent Klaus Lasse vom Öffentlichkeitsausschuss
der Pfarrgemeinde Sankt Vincentius, zu deren Kirchengebäuden die Heilig-Blut-Kirche  neben der Sankt-Vincentius- und Sankt-Johannes-Kirche bisher gehörte.

Die Heilig-Blut-Kirche wird bekanntlich im Laufe des Jahres abgerissen und an ihrer  Stelle ein neuer Kindergarten "Heilig Blut" errichtet.

Baulich werden einige Kunstwerke der Heilig-Blut-Kirche als Erinnerung integriert.

Dem Profanierungs-Gottesdienst um 10.45 Uhr wird Domvikar Sühling,
Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster,
unter der Beteiligung von Pastor van Doornick, Dechant Leenders und dem
Seelsorgeteam von Sankt Vincentius vorstehen.

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Die drei Glocken der Gemeinde `Hl. Blut´ sind jetzt in St. Pius, in Marl gelandet. Unter diesen Glocken befindet sich auch die beschriebene „Gramschützer-Glocke".

St. Pius - Marl  2010
Am Sonntag, den 03.10.2010 wurden die 3 Glocken,  die einige Wochen in der Kirche auf ihrem sog. "Weihebock" präsentiert wurden, gesegnet und damit auf ihren Weg in den Kirchenturm verabschiedet.
Der neue Glockenstuhl  wurde eingerichtet und so nun unser Geläut auf 4 Glocken vervollständigt.
An diesem Samstag (27.11.2010) werden wir zum ersten Mal das vollständige Geläut hören und ein schönes, ereignisreiches Fest veranstalten, zu dem auch unser neuer Weihbischof, Dieter Geerlings, sein Kommen zu gesagt hat.
Wir freuen uns, wenn wir mit vielen Gemeindemitgliedern, Freunden und Gästen dieses freudige Ereignis feiern können!

 
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