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 Wemmer Chronik Deckblatt

Liebe Kinder! Meine Lieben!
Kirchbau St. Pius in Marl-Brassert.


1956 wurde der Seelsorgsbezirk St. Pius X. aus der St. Bonifatiusgemeinde Brassert ausgemeindet. Eine Übergangskirche wurde aufgestellt, die uns diente, bis wir den Neubau der Kirche beziehen konnten. Eine neue Kirche sollten wir bauen können.


Dank gesagt sei allen, die mitgeholfen haben, dem Kirchenvorstand, dem Pfarrkomitee. Das, was aus Plänen aufgestellt wurde, ist im Laufe der Jahre zu Stein geworden. Dank sei dem Architektenteam Burlage und Niebur aus Osnabrück gesagt, dass es immer wieder auf unsere Vorstellungen eingegangen ist, uns eine Kirche für unsere Zeit zu bauen. Gutes Gehör fanden wir auch bei Herrn Baurat Bocklage im Generalvikariat.
Wir haben uns gesagt, wir müssen eine Kirche bauen, die uns hilft, in unserer Zeit voranzugehen in die kommende, unsere dem Lebensgefühl entsprechenden Zeit, der Lebensbewältigung in all den vielen Aufgaben des täglichen Lebens Herr zu werden.


Wenn wir von Dorsten kommen und auf St. Pius an der Schachtstrasse zugehen, dann scheint uns der Turm ein Teil der Zeche Brassert zu sein wie ein Kühlturm.

Wir kommen näher und finden an zwei Seiten auf dem Sichtbeton ein gleichschenkliges Kreuz, gleich erkennbar als Zeichen des auferstandenen Christus, ein Gemmenkreuz aus Goldglas und Naturgestein, auf einer Seite mit der Dornenkrone.


Wir treten näher und finden, dass die Kirche inmitten der Siedlung wie ein Punkt da ist. Alle Strassen laufen darauf zu, und an der Schachtstrasse, eine der Hauptstrassen, laufen all die Fäden zusammen.


Die Gemeinde St. Pius ist eine Bergarbeitergemeinde.
Warum die Kirche so gebaut worden ist, erkennen wir daran, dass der Kirchbau in unserer Zeit - im zweiten Jahrtausend - uns helfen will, in die Zukunft hineinzugehen zu neuem Schwung mit christlicher Hoffnung. Unsere Zeit ist gekennzeichnet von der Furcht, von der Angst, aber auch vom Mut leben zu wollen, auf der Seite des Lebens zu stehen, möglichst lange - mit allen Errungenschaften unserer Zeit.


Darum musste unsere Kirche eine Kirche mit hohen Mauern werden, die uns Schutz bietet. Das Fensterband rings um die Kirche herum soll uns mit der Umwelt dennoch in Verbindung stehen lassen.

Es lässt uns zum Bewusstsein kommen, dass wir nicht in einem Bunker leben, sondern immer Anteil an dem Leben um uns herum nehmen und es mitleben können. Das Fensterband ist so gross, dass das Tageslicht eindringen kann. Mit der aufgehenden Sonne bis zur untergehenden wechseln ständig die Beleuchtungsverhältnisse. Wir gehören dieser unserer Zeit mit den Aufgaben im gesellschaftlichen, im wirtschaftlichen und religiösen Leben.

Dazu bieten wir Werte an - gleichsam in Schalen.


Was für Werte haben wir als Christen? In der Taufe haben wir die Quelle ewigen, göttlichen Lebens als erste Schale. Dann ist uns anvertraut für die zweite Schale das Wort Gottes, das uns im Evangelium vom Ambo her verkündet wird und Antwort findet im lebendigen Chorgesang mit der Orgel.
Anvertraut ist uns das Brot des ewigen Lebens, das Christus selber ist. Darum steht in der dritten Schale der Altar, auf dem das Opfer Christi in unserer Mitte erneuert wird, damit es uns zugepasst werden kann, was wir als Aufgabe in Gerechtigkeit und Freiheit zu lösen haben. Aufbewahrt wird das Brot im Tabernakel.

So ordnen sich die drei Schalen zueinander:

1. Der niedrige Bauteil stellt die Schale der Quelle des Lebens in der Taufe dar, ebenso die zweite Taufe unseres Lebens in den Beichtstühlen.    

  

2. Der nächst höhere Bauteil hält für uns als Schale das Wort Gottes bereit.   

3. Den höchsten Bauteil bildet der Altarraum als dritte Schale, der des Brotes Gottes, das uns hilft, in der Kraft dieses Wortes zu denken - die ewige Herrlichkeit.

Die drei Schalen sind zum Turm hin geordnet und werden dort zusammengefügt.


In der Mitte öffnet sich die Rundkirche.
Die Anbauten mit den Säulen ähneln dem Pantheon mit den Konchen in Rom. 


Und die Konchen-Anbauten bewirken etwas Wunderbares: dass nämlich die Stelle der Rundkirche ein fester Platz ist. Wir erleben das Bewusstsein, dass uns der Boden unter den Füßen nicht weggezogen wird und wir im Raum gewissermaßen sicher scheinen.

Als Decke ergab sich, dass aus der Mitte her die Hölzer wie Strahlen zu den Seiten laufen und durch die Anbauten, - durch die Konchen, - entsteht eine lebendige Decke, die wie Strahlen alles aufnehmen wollen.

Die Kirche will uns die Verheißung Christi lebendig machen durch das Kreuz am Turm - das Gemmenkreuz - als Zeichen der Auferstehung.
Hier will der auferstandene Herr lebendig sein, der die Sünde des Hasses und den Tod, den Zerfall, in seiner Auferstehung überwunden hat.

Christus Jesus ist der Auferstandene, er hat uns den Heiligen Geist verheißen. Darum ist auf dem Kirchendach das Zeichen des heiligen Geistes in der Gestalt einer dreiflügeligen Taube aufgerichtet.

Wir wollen als Pius-Gemeinde Volk im Heiligen Geist sein, immer bereit, auf den Anruf Gottes zu hören und in die Tat umzusetzen.

Der niedrige Bau - die erste Schale der Taufe, des göttlichen Lebens - ist säulenumgrenzt.
Die Ahnen sagten, es ist uns aufgegeben, die Welt uns untertan zu machen. Sie meinten, vier Elemente seien es, die die Urstoffe bildeten. Darum sind sie in den Dickglasfenstern der ersten Schale symbolisch dargestellt -links Erde und Wasser -rechts Feuer und Luft- und zwischen den Beichtstühlen das Fenster mit dem Licht. "Es werde Licht, und es ward." Die Ahnen haben die Beichte gern auch die zweite Taufe nach dem Schiffbruch genannt. Daher sind Beichtstuhl und Taufbrunnen in derselben Schale vereint.
Der Taufbrunnen muss noch gestaltet werden.
Zudem ist noch ein Fenster vorgesehen (in der Wand) gegenüber dem Eingang von der Schachtstrasse her. Wir würden durch das bunte Fensterglas auf den Taufbrunnen schauen und dahinter auf die Beichtstühle und weiter im Hintergrund auf das Bild der Mutter Jesu der immerwährenden Hilfe in einer Sichtlinie. Johannes Dinnendahl aus Telgte schuf das Marienbild.

Auf der anderen Seite des Turmes fängt die zweite Schale, die Schale des Wortes an.

Sie nimmt in der Nähe des Turmes den Kirchenchor auf, dazu die Elektronenorgel und das Bild Pius X. unseres Pfarrpatrons, der als sein Lebensmotto gewählt hatte: Alles in Christus erneuern. Wir wollen es tun durch den Chorgesang und durch den Gesang der ganzen Gemeinde. Wir wollen immer wieder vom Ambo das Wort Gottes hören, damit wir die Herrlichkeit Gottes erkennen, - die Gloria Dei, - und aus dieser Freude leben. Die Freude in Gott, - sie ist unsere Kraft.
Guido Meinert aus Köln hat den Ambo gestaltet. In seiner Arbeit sehen wir das Pfingstereignis dargestellt. Inmitten der Apostel Maria, die Mutter des Herrn, im Gebet mit der jungen Kirche. So will auch Maria, die Mutter des Herrn, in unserer Mitte im Volk Gottes der St. Pius- Gemeinde sein. Maria ist unsere Helferin in der Nachfolge Christi, in der Gerechtigkeit, die Christus für die Lebenden unserer Zeit gebracht hat.

Die dritte Schale - die Schale des Brotes.

Nach dem Wortgottesdienst zieht der Priester mit den Messdienern ins Hochchor. In der Mitte steht der Altar, eine zweite Mitte, die räumlich durch den Kirchbau entstanden ist - einer Fischblase gleich. Da musste der Altar stehen und nirgendwo anders. Wird eine sakramentale Spendung dort vor dem Altar vollzogen, bleibt immer noch Raum für jeglichen Gottesdienst. Der Altar steht vor der Gemeinde - gewissermaßen in der Gemeinde. Er ist aus Würzburger Kalkstein. Dieser wird immer härter und die Farben dunkeln nach.


Der Grundstein, auf dem der Tabernakel steht ist durch das ganze Mauerwerk gezogen und außen erkennbar die Jahreszahl 1965.

Am 4. Adventssonntag 1965 kam der damalige Diözesanbischof Josef Höffner, dann Kardinal und Erzbischof von Köln. Er weihte unsere Kirche und konsekrierte sie. Er beglückwünschte unsere Gemeinde zu solch einem Kirchbau.

Der Grundstein der Kirche mit dem Tabernakel ist so ausgerichtet:
Der Tabernakel ist dreiteilig. Wenn er zur Anbetung Christi, der als der Verklärte im Zeichen des Brotes leibhaftig in unserer Mitte weilt, geöffnet wird, dann sind die beiden Türflügel wie erweiterte Arme, die die Liebe Gottes, die Liebe Christi zu uns hin weitergeben wollen.
Auf den Grundstein bezogen öffnen sich die Tabernakeltürflügel so, dass ich aus der Kirche her, wo immer ich sitze, ein schönes Bild vom Tabernakel habe.


Außen wird der brennende Dornenbusch dargestellt, die Erscheinung Gottes bei Moses.
Wir haben wie Moses so manches schon von Gottes Gegenwart erlebt, Gott will uns immer nahe sein!
Aber all das Viele in unserem täglichen Leben kann uns verwirrt machen. Wir fragen uns: In wessen Auftrag sollen wir das tun, was als Aufgabe von uns gemeistert werden will?
Gott selbst gab bei der Erscheinung im Dornenbusch die Antwort: Sage dem, der wissen will, wer dich gesandt hat, - Jahwe ist es! Ich werde da sein, weil ich da sein werde, ich bin, der ich bin!
Das Unglaubliche, wir sind als Menschen im Quell der Taufe durch den Sohn des Vaters zu Christi Schwestern und Brüder geworden. Wenn wir das glauben, erkennen wir die Sendung, die uns zuteil geworden ist durch das Wort Gottes, die Herrlichkeit Gottes, die uns aufleuchtet in so manchem Gotteswort und in der Begegnung mit Christus im dienenden Brot seiner Liebe. Wenn wir das alles glauben, - Jahwe, Gott, der Vater, hat es bekräftigt - für uns. Auf sein Wort hin wollen wir leben! Er hat es gesagt, dass wir ein priesterliches Geschlecht sind, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, Gottesvolk für ihn. Darum ist der Tabernakel passend als Zielstelle unseres Glaubens im Hinblick auf Moses im brennenden Dornbusch, dem Zeichen Gottes dienender Liebe zu uns, dürfen wir sie erleben und sie weitergeben all denen, die uns am Tage und in der Nacht begegnen.

Gleichsam Arme der Schale des Brotes ist ein großes, wandfüllendes Dickglasfenster seitlich vom Altar nach Süden hin, doch so, dass dieses bunte Fenster nicht von jedem Platz in der Kirche einzusehen ist.
Es wird darin dargestellt die Herrlichkeit Gottes, die uns geschenkt wurde, geschenkt in der Taufe.
Das Gotteswort will immer wieder aufs neue in uns lebendig machen, was uns in der Herrlichkeit Gottes, - in der Gloria Dei, - gegeben ist. Wir sind als königliches Priestervolk mit Gott Handelnde am Altar. Wir dürfen uns nehmen das Gottesbrot, das uns ewiges Leben schenkt, erstrebtes Ziel unseres Lebens. Die Gloria Dei, die Herrlichkeit Gottes ist uns geschenkt, wir dürfen sie in uns, andere durch uns erfahren, immer tiefer, immer neu. ”Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.” Das ist auch der Auftrag für uns. Darum müssen wir uns immer wieder neu bemühen, die Herrlichkeit Gottes in uns zu erleben- Tag um Tag. Und dann wird uns inne, was die große Dickglaswand, das Fenster uns sagen will.

In der Mitte ist durch den grünen Punkt Gott dargestellt, Hoffnung, dass das, was uns der Herr verheißen hat, uns auch wirklich gegeben wird. Unsere Ahnen haben es weitergegeben, jetzt ist es an uns, für diese Zeit in die Zukunft hinein es zu bestätigen, alles aus der Liebe Gottes zu sehen. Es wird in gewaltigen Bewegungen angedeutet, in den weißen und gelben Bahnen, wie die Macht, die von der Mitte ausgeht, die ganze Schöpfung erfüllt.
Oben hoch die Welten, die aus der Liebe der Schöpfermacht Gottes ausgefallen sind.
An der linken Seite im Feuer stehen die zwei Tafeln des Moses, die Baugesetze unseres menschenwürdigen Lebens.
Unten rechts ist dargestellt ein Stück Erde, das noch nicht in Baugesetzen bewältigt worden ist. Es gibt noch viel Arbeit zu tun; denn Hass und Bosheit sind noch nicht überwunden. Christus Jesus, der Sohn des lebendigen Gottes, unser Bruder, Herr und Freund, hat sich in diese Welt begeben, ist gemordet, gekreuzigt und begraben worden, aber am dritten Tage auferstanden von den Toten. So haben wir das Grab im Dunkel der Erde, der wüsten Erde, von der gelben Farbe umrandet. Und vom Grab aus geht neue Kraft, neues Licht zu den Menschen, die die Welt besser machen wollen, so dass wir jetzt nicht nur die zehn Gebote haben, sondern auch die Gnade des Auferstandenen, in der Liebe, die Kraft der Hoffnung und Stärke darin verzweigt sind, um die ganze Welt zu formen.
Ich bin das Korn der Erde, nicht um Menschen immer wieder ins Unglück zu stürzen, sondern die größere Kraft der Liebe Gottes gibt uns Fähigkeiten, den Baugesetzen des Alten Testamentes entsprechend mit den Baugesetzen des Neuen Testamentes überhöht zu leben und tätig zu werden im Auftrage des Vaters, den Willen Gottes zu erfüllen.

Die Dickglaswände unserer Kirche sind von Frau Trude Benning-Dinnendahl aus Kaiserswerth bei Düsseldorf gestaltet worden, Altar und Tabernakel von deren Sohn Franz-Ludwig Dinnendahl, jetzt wohnhaft in Beckum.

Wenn wir hinter dem Altar stehen und ins Schiff schauen, dann sehen wir wie schön in der Vertikalen und Horizontalen die Schalen der Taufe und des Wortes sind.
Stehen wir im Turm und schauen zum Altar, dann entdecken wir wie vorrangig da die Horizontale ist. Es fehlt noch etwas, das die Vertikale stärker als die Leuchter angibt. Geplant war, einfach dem Tabernakel entsprechend, eine Christusgestalt hinter dem Altar sich groß erhebend angedeutet und sichtbar stärker geprägt, das Antlitz und seine Hände, die das Brot brechen, in einem Gobelin.
Wir sind die Jünger von Emmaus beim Herrn. Das Brot soll so gestaltet sein gleich einem Herzen, das der Herr bricht und uns gibt, damit wir mit dem Herrn in die Welt ziehen zu unseren Brüdern und Schwestern und ihnen schenken die Gerechtigkeit und Liebe, da wir als Söhne und Töchter des ewigen Vaters gerufen sind, die Welt menschlich zu gestalten - göttlich. Eine andere Möglichkeit darzustellen ist die, die jetzt durchgeführt ist -den auferstandenen Herrn-, so dass sich die Vertikale im Chorraum wohltuend auswirkt. Und alle empfinden, - ja da ist ein Weg gefunden worden unsere Kirche vollständiger zu machen.

Unter großer Anteilnahme der Gemeinde wurde am 4. Adventssonntag 1965 die Kirche durch unseren Bischof Josef Höffner, jetziger Erzbischof und Kardinal in Köln, konsekriert.

Er hatte uns als Mertyrerreliquien für den Altar die des heiligen Viktor von Xanten, hingerichtet um 300 nach Christus und die des heiligen Likolatus aus Rom, dort hingerichtet ebenfalls um 300 n. Chr. Geb., mitgebracht und geschenkt. Sie ruhen in dem kleinen "Grab" im Altar.

Die 12 Apostelkreuze wurden aus mehreren weißen Granitbrocken gebrochen und mit Nägeln als Klammern eingefasst. Ein Gemeindemitglied hatte die Felsbrocken aus seiner Heimat in Oberfranken , die aus dem Steinbruch in Flossenbürg stammen, in dem viele Insassen des damaligen Konzentrationslagers einen qualvollen Tod fanden. Sie erinnern uns an die Konzentrationslager, in denen Millionen, vornehmlich Juden, gefoltert, misshandelt und getötet wurden, Mahnmale für die Zukunft, Erinnerung an eine Schande, die von Angehörigen unseres Volkes über uns gebracht wurde. Mit Chrisam wurden sie in Kreuzesform gesalbt und geweiht.

Ergänzend dazu wird der Herr, der als der Mitleidende in unserer Mitte ist, im Kreuz über dem Eingang im Turm - dem Altar gegenüber,- der mit uns Zeuge ist von der Liebe des Vaters, der seinen einzigen Sohn dahin gab bis in den Tod, bis in den Tod im KZ, ausgemergelt, zerschunden, zerschlagen von den Mitmenschen, damit sie frei werden können von ihrer Bosheit, wir frei werden von unserer Bosheit und Gleichgültigkeit. Jedes Mal, wenn wir die Kirche verlassen, stehen wir diesem Kreuz gegenüber.

Es wurde gestaltet von Heiner Kuhlmann, einem Marler Künstler, (der später die Kreuzwegbilder in der St. Georgskirche zu Marl schuf).
Wir haben den Auftrag, die Welt menschlicher zu gestalten, da uns immer wieder Mord und Totschlag entgegenkommen und in jedem Opfer auch der zerschlagene Christus. Es ist uns aufgegeben, an der Welt nicht zu verzweifeln, sondern immer wieder in der Kraft des Brotes, in der Kraft der Auferstehung das Leben zu wagen, aufzugehen in den Schwierigkeiten dieses Lebens. Ein schöner Platz für die Krippe ist der vor den Stufen, links vom Tabernakel.
Es wäre auch ein guter Platz für das Bildnis unserer Mutter und Königin Maria, vielleicht eine Darstellung als Magd des Herrn, somit auch als betende Helferin.


Ein Kreuz ist in der ersten Schale aufgehängt, ein Kreuz, das in der Karwoche gebraucht wird.

In der Nazizeit ist es aus dem Sitzungssaal der Stadt Marl entfernt und auf einen Scheiterhaufen geworfen worden. Ein Mitmensch, (der Schreiner Johann Erwig von der Schachtstrasse, Arbeiter der Stadt Marl), nahm es mit und rettete es vor dem Verbrennen. Er bewahrte es bei sich zu Hause bis zu seinem Tode auf. Die Söhne Josef und Karl-Heinz schenkten es der Gemeinde. Es hing vordem über dem Eingang der Notkirche, und es brannte ein Licht in einer aufgearbeiteten Grubenlampe daneben während der Nacht. Vom Lehrer Heiner Kuhlmann wurde es aufbereitet und überarbeitet, so dass wir es zur Fastenzeit in der Liturgie verwenden können.

Vielleicht ist es auch gut, dass das Kreuz im Turm aus Holzteilen von einem Bauernhof auf der Lipphöferstraße stammt, der dort abgebrochen worden ist. Die Stadt Marl hat das Balkenwerk zur Verfügung gestellt.

Vor dem Altar ist ein Vortragekreuz, ein gleichschenkliges, das immer wieder von dem Kreuz Christi spricht, das Kreuz des Gekreuzigten und Auferstandenen. Es steht vor dem Altar, damit wir als Gemeinde wissen, dass wir pilgerndes Gottesvolk sind, dass die Sendung - unsere Sendung die des Gekreuzigten ist, alle für Christus zu gewinnen, alle in der Liebe freier zu machen, das Leben größer zu leben.

Zur Kirchweihe haben wir von der Bonifatius-Gemeinde die Bronzeglocke C, als einzige, die vom damaligen Geläut in der Kriegszeit übrig geblieben ist und jetzt im Turm sich befindet, geschenkt bekommen.

Als Inschrift ist aufgezeichnet: "Engelglocke bin ich genannt". (Der Chronist hat sie als Messdiener werktags morgens vor der Frühmesse sehr oft geläutet - mit der Hand am Seil). Sie sagt: Mein Klang soll allen Menschen der Stadt Marl dienen, damit sie nicht vergessen, dass der ewige Gott - Christus Mensch geworden ist. Bis zur Stunde schien für uns ein größeres Geläut nicht verantwortbar zu sein, weil so viele hungern und obdachlos sind. Wenn aber einmal ein komplettes Geläut uns alle zum Gottesdienst, zum Gotteslob zusammenrufen sollte, mit vier verschiedenen Glocken, dann wäre es gut, wenn die vier Töne von dem Osterlied: “Freu dich, du Himmelskönigin" genommen würden, das wäre ein Dur-Akkord. Die evangelische Bruderkirche, wie auch die meisten Kirchen in Marl, hat die Tonfolge "Per omnia saecula saeculorum" den Mollakkord. Dur und Moll würden sich nebeneinander gut anhören. Es wäre auch zur gleichen Zeit ein Zusammenklingen aus der Freude der Osterherrlichkeit, aus der Freude der Liebe Gottes, die er durch den Engel Maria schenkte, die Maria weitergegeben hat an uns, - die Kinder Gottes.

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