Leitender Pfarrer – Heiner Innig

Herr Innig 2„Nachdem ich nun deutlich länger als ein Jahr hier lebe und nicht mehr empfinde, dass ich „der Neue“ bin, schreibe ich gern etwas zu meiner Vergangenheit, meiner Person und zu unserer gemeinsamen Zukunft. 1967 in Stadtlohn im Westmünsterland an der holländischen Grenze geboren, habe ich als Kind eine kleinstädtische Welt mit selbstverständlich wichtiger, öffentlich gelebter katholischer Kirche erlebt. Und gleichzeitig – bei regelmäßigen Besuchen bei den Verwandten mütterlicherseits in Altenessen und Wattenscheid – wie anders die katholische Kirche in bequemer Autoentfernung im Industriegebiet mit gemixter Bewohnerschaft ist.

Ich bin tief geprägt vom Interesse an der Botschaft von Kunst und Dichtung, der Mythologie und der alten Geschichte, immer mit der Frage, was davon uns heute helfen kann. Rund ums Abitur 1986 in Vreden entschied ich mich für eine intensive Suche nach Wahrheit und Glück und begann, in Münster Theologie zu studieren. Ein Jahr studierte ich in Bonn, besonders intensiv die Erforschung des Alten Testaments.
Bis heute habe ich eine besondere Freude an biblischen und historischen Themen. Die Beschäftigung mit alten Texten, z.B. der Bibel dient nicht nur einer Entschleunigung, die genauso gut tut, wie eine Tasse Tee, im Gespräch oder anregende Lektüre: Lesen und Nachdenken relativiert die atemlose und oft geisttötende Beschleunigung der digitalen Welt. Was hat Bestand, was trägt, wer trägt? Einen Christen können diese Fragen und Entdeckungen zu Gebet und Engagement führen.

Als Kaplan in Münster ab 1993 und in Kleve am Niederrhein ab 1996 war ich in unterschiedlichsten Gegenden tätig, erlebte aber überall letztlich die gleichen Fragen, Nöte und Aufgaben. Seit 2000 als leitender Pfarrer und fusionsmoderierender Theologe (oft zusätzlich Pfarrverwalter und Dechant im Raum Werne) trug ich immer wieder Verantwortung für die berechtigten Fragen der Gemeinden an das Bistum, wie es denn personell oder seelsorglich vor Ort weiter gehen könne. Die Regionen „Rhein-Ruhr“ liebe ich und betrachte sie als heimatkulturellen Raum und möchte täglich in der Katechese, Schule, im Gottesdienst den katholischen Glauben als in die Gegenwart übersetzbar und bereichernd anbieten. Für mich war die Frage der Bistumsleitung in Münster einleuchtend, ob ich nicht in Marl weiter machen möchte. Ich sagte zu und freue mich seit meinem Amtsantritt an der lebendigen Vielfalt der Menschen hier und bestaune die bunte geistige und kulturelle Landschaft.

Seit April 2014 bin ich da und lebe hier gern. Die Kirche von Marl sucht nach motivierenden Aufgaben, sieht die Nöte der Menschen und versucht, wirksam zu helfen und möchte den Glauben bunt und schön leben und anbieten. Das ist angesichts der riesigen Veränderungen und auch Problemzonen in Marl nicht einfach. Ich helfe in meinen Rollen als Seelsorger, Moderator, leitender Pfarrer gern mit, die Zukunft der Pfarrgemeinde von morgen zu entdecken und zu gestalten.

Persönlich ist mir klar, dass ich in der riesigen Fläche vom Loemühlenbach bis Polsum für jede Gruppe und Person immer nur halb so oft wie gewohnt als Mensch/ Pfarrer auftauchen kann. Damit Geduld zu haben, ist auch für mich eine Herausforderung, der ich mich stelle und nach wie vor jeden Kontakt nutze, der sich anbietet. Zudem bin ich dankbar, dass mir und uns so viele Seelsorgerinnen und Seelsorger an die Seite gestellt sind, so dass das Ganze, Fusion und Entdeckung einer zukunftsfähigen Kirche, überhaupt leistbar sein kann. Und nicht zuletzt sind wir Christen und dürfen das, was wir beginnen, Gott zur Vollendung anvertrauen.“

Heiner Innig, Pfarrer